Das Gefühl von Einsamkeit ist vermutlich jedem Menschen bekannt.
Auch ich habe damit Erfahrungen gemacht:
Unverständnis der Erwachsenen als Kind. Das erste Weihnachten und Silvester ohne den Partner. Die vermeintlich glücklichen Paare, die man nach einer Trennung überall zu sehen scheint. Eine neue Umgebung nach einem Umzug, dieses Fremdkörper-Gefühl nach Arbeitsplatzwechsel in eine eingeschworene Bürogemeinschaft.
Aber auch das Empty-Nest-Syndrom nach dem Weggang der Kinder oder die Herausforderungen als Unternehmer. Sozusagen einsame Entscheidungen treffen für das eigene Wohlergehen, das der Mitarbeiter und das des Unternehmens. Bei Mitbewerber nachfragen? Eher nicht! Die eigene Belegschaft in finanziellen Entscheidungen einbeziehen? Auch das nicht! Fachliche Fragen mit der Familie klären? Schwierig, wenn es um "Marketing-Kauderwelsch" geht.
Wochenlange Klinikaufenthalte fernab der Heimat? In einer bedrohlichen Umgebung, ausgeliefert an Ärzte und Personal, in schlechtem Gesundheitszustand, Hilflosigkeit mangels Fachwissen? Dies kann durchaus eine traumatische Erfahrung von Verunsicherung und Einsamkeit sein.
Auch wenn ich es selbst noch nicht erlebt habe, kann ich mir als empathischer Mensch sehr gut vorstellen, was eine Heimeinweisung oder der Bezug eines Altersheimes für betagte Menschen zu bedeuten hat. Oder auch den Lebensgefährten nach einer jahrzehntelangen Beziehung verlieren.
Einsamkeit hat viele Gesichter und kann in den unterschiedlichsten Lebensphasen stattfinden. Der ausgeschlossene Mitschüler, der von anderen kollektiv gemobbt wird bis zum einsamen Tod während der Corona-Isolation in Kliniken.
Aber es gibt ein Gegengift: Eigeninitiative.
Denn niemals zuvor war es so einfach, Kontakte zu knüpfen und neue Menschen kennenzulernen. Abgesehen von einschlägigen Internetplattformen und Apps (allen voran, sicher ElitePartner oder Tinder) gibt es noch viele andere Möglichkeiten, bei denen man andere Menschen kennenlernen kann:
| - Pakete für Nachbarn annehmen, ohne den Boten wegzuschicken. | - VHS-Kurse besuchen |
| - im Fitnessstudio anmelden | - Anschluss an eine Nordic-Walking-Gruppe |
| - Kaffee in einer öffentlichen Begegnungsstätte oder einer Senioreneinrichtung trinken | - Leih-Oma oder Haustiere für andere hüten |
| - Teilnahme an Selbsthilfegruppen | - Aushänge in Supermärkten, Bibliotheken oder Arztpraxen durchforsten |
| - kleine Freundschaftsanzeige in Wochenblättern (möglicherweise mit Chiffre) aufgeben | - ein Ehrenamt ausüben |
| - an einer Tauschbörse teilnehmen | - ein freies Zimmer an Studenten als Wohnen-gegen-Hilfe anbieten |
| - sich bei den neuen Nachbarn persönlich vorstellen | - Gleichgesinnte in Internetforen finden (Hobbys, Krankheiten, Behinderungen etc.) |
| - einen Schrebergarten pachten | - Menschen grundlos anlächeln |
| - sich politisch engagieren | - Telefonseelsorge anrufen |
| - kirchliche Gesprächskreise aufsuchen | - sich auf eine Parkbank setzen und sehen, was geschieht |
| - hilfsbereit und aufmerksam sein | - zu einem Nachbarschaftsflohmarkt aufrufen oder selbst Flohmärkte besuchen |
| - spontan für Nachbarn backen und Kuchen anbieten | - an Bildungsreisen oder Stadtführungen teilnehmen |
| - sich Besuchsdiensten für alte und kranke Menschen anschließen | - einen Kneipen- oder Weihnachtsmarktbesuch unter Kollegen nach Dienstschluss vorschlagen |
| - ein Museum besuchen | - einem Chor beitreten |
| - Single-Hotel buchen | - einen Schachclub suchen |
Es gibt also viele Möglichkeiten, neue Menschen kennenzulernen. Dennoch taucht die Frage auf, warum wir diese oft nicht ergreifen?
Ein großes Hindernis ist sicher die Angst vor einem NEIN!
Dabei nehmen wir ein NEIN oft viel zu persönlich. Verständlich, wenn wir uns momentan bedürftig, abgelehnt oder enttäuscht fühlen. Gerade in diesen Situationen spüren wir die Einsamkeit am meisten.
ABER
Ein NEIN kann einfach nur bedeuten:
- Ich habe Schmerzen und möchte das jetzt nicht erläutern.
- Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht und wünsche mir nichts sehnlicher als Ruhe.
- Eine neue Begegnung macht mir in Wahrheit Angst.
- Gerade mache ich eine Trennung durch und möchte nicht wieder enttäuscht werden.
- Ich bin unsicher, ob Du mich nicht vereinnahmst.
- Jetzt nicht, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.
- Meine Kinder, Eltern, Kollegen, mein Partner brauchen mich: Ich habe aktuell keine Kapazitäten.
- Meine finanziellen Mittel sind stark eingeschränkt, aber ich lasse mich ungern einladen.
- Dein Vorschlag gefällt mir nicht, ich möchte Dich aber nicht vor den Kopf stoßen.
- Ein Angehöriger ist gerade erst verstorben. Mir ist jetzt nicht nach Erklärungen oder Kontakten zumute.
Wir müssen ein NEIN nicht zwangsläufig auf uns beziehen. Es kann viele Gründe geben, warum die Kontaktaufnahme gerade nicht passt und wir haben auch keinen Anspruch auf eine Erklärung oder eine Rechtfertigung unseres Gegenübers.
Ein NEIN wird uns nicht umbringen und wir verlieren auch nicht unser Gesicht. Denn wir hatten den Mut, den 1. Schritt zu machen. Vielleicht sitzt auch zwei Häuser weiter ein Mensch, der sich ebenfalls einsam fühlt. Wir haben ihn nur noch nicht gefunden!
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