Peer-to-Peer-Begleitung? Was ist das eigentlich?



Mit diesem Sprichwort ist grundsätzlich alles gesagt.

 

Peer-to-Peer bedeutet nichts anderes, als die Begleitung oder Beratung von Mensch zu Mensch, der Ähnliches bereits erlebt hat.

 

Ohne irgendjemandem zu nahe treten zu wollen: In Beratungsstellen, Praxen oder Kliniken treten uns oft sogenannte Autoritäten gegenüber, die es vielleicht gut mit uns meinen mögen, aber unsere Angst, unsere Verzweiflung und unsere Schmerzen überhaupt nicht verstehen oder nachempfinden können. 

 

Aus dem Elfenbeinturm heraus, lassen sich gute Ratschläge an andere leicht erteilen. Meist merken wir es sehr schnell, wenn jemand nur seine gelernten Strategien herunterleiert. Oder uns Tipps oder Hinweise gibt, die mit unserem Erleben und unseren Lebensbedingungen nicht zu tun haben. 

 

Wie glaubwürdig erscheint uns der Rat eines frisch von der Universität gekommenen 25-jährigen Beraters, möge er noch so qualifiziert sein, wenn wir selbst schon ein ganzes Leben mit Kindern, vielleicht Enkelkindern, sowie vielen Herausforderungen gemeistert haben?

 

Wie weh es wirklich tut, wenn ein Katheter nach mehreren Tagen aus unserem Körper herausgezogen wird, kann ein körperlich unversehrter Arzt kaum nachempfinden. Ein: "Stellen Sie sich doch nicht so an, das tut doch gar nicht weh" erscheint uns in diesem Moment vielleicht sogar wie Spott und Hohn.

 

Was es wirklich bedeutet, auf einmal mitten im Leben auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, kann sicher nur ein ebenfalls Betroffener in seiner ganzen Tragweite nachvollziehen. 

 

Die vermeintlich mitfühlenden Worte von Kollegen und Freunden, die uns nach dem Verlust eines geliebten Menschen zuteil werden, fühlen sich manches Mal sogar wie Ohrfeigen an. "Das wird schon wieder", "Du musst jetzt einfach nach vorne schauen" oder auch - etwas ruppiger - "Wie lange willst Du denn noch trauern? Diese Geschichte hast Du doch schon einhundert Mal erzählt. Langsam kann ich sie nicht mehr hören".

 

Zur Verteidigung der professionellen und semiprofessionellen Helfer: Viele müssen sich ein dickes Fell zulegen, um Dinge nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. Niemandem ist geholfen, wenn ein Arzt, eine Krankenschwester oder ein Psychologe quasi mit jedem Hilfesuchenden mitstirbt. Und auch die nächsten Angehörigen oder enge Freunde sind oft schlechte Berater, denn möglicherweise müssen sie sich selbst schützen und schmerzhafte Erinnerungen abwehren. 

 

Aber: Jeder von uns muss schwere Schicksalsschläge im eigenen Tempo verarbeiten. 

 

Und wer könnte da hilfreicher sein, als eine vertrauenswürdige Person, die das Gleiche bereits erlitten und vielleicht sogar verarbeitet hat? Eine Person, die unseren Schmerz nicht nur aus Lehrbüchern kennt und weiß, dass man Geschichten möglicherweise 100 Mal erzählen muss, bevor eine Heilung einsetzen kann. 

 

Peer-to-Peer Begleitung findet übrigens auch in Selbsthilfegruppen, Kliniken und Online-Foren statt, ohne dass sie explizit so bezeichnet wird. Ein Blick auf Aushänge in Bibliotheken, VHS oder ins Internet lohnt sich allemal. 

 

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